Er gilt als Vordenker der freien Marktwirtschaft und des Wirtschaftsliberalismus. In Kirkcaldy geboren, einer schottischen Hafenstadt nahe Edinburgh, studierte Adam Smith bereits in jungen Jahren Philosophie in Glasgow und Oxford, bevor er anschließend mit nur 27 Jahren eine Professur für Moralphilosophie an der University of Glasgow erhielt. In seinem Werk “The Theory of Moral Sentiments” (Theorie der ethischen Gefühle), mit dem er erstmals öffentlich Aufsehen erregte, versuchte Smith die menschliche Natur zu ergründen und das Gefühl des gegenseitigen Empfindens von Empathie zu erklären:
How selfish soever man may be supposed, there are evidently some principles in his nature, which interest him in the fortunes of others, and render their happiness necessary to him, though he derives nothing from it, except the pleasure of seeing it.
1776 veröffentlichte Smith sein bedeutendstes Werk “An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” (Der Wohlstand der Nationen: Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen), das ihn zum Begründer der klassischen Nationalökonomie machte. Ausgangspunkt seiner wirtschaftstheoretischen Überlegungen war die Kritik an den merkantilistischen Strukturen Europas im 18. Jahrhundert. Der Merkantilismus gründete sich auf einem absolutistischen Machtanspruch des Staates über die Wirtschaft. Smith übte vor allem harsche Kritik an den staatlichen Interventionen seiner Zeit, die zu einer Bevormundung von Kaufleuten in ihrer Verwendung von Kapital führten und dadurch die Maximierung des Wohlstands in der Gesellschaft verhinderten.
Adam Smith, der entgegen vieler Ansichten kein altruinistisches, sondern ein positives Menschenbild vertrat, setzte die Selbstbestimmung und Eigentverantwortlichkeit des Individuums in den Mittelpunkt. Nach Smith wird auf einem Markt jeder individuelle Akteur durch sein Streben nach Produktivität und Ertrag von Eigeninteressen geleitet, die das Gemeinwohl fördern:
It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker, that we expect our dinner, but from their regard to their own interest. We address ourselves, not to their humanity but to their self-love, and never talk to them of our own necessities but of their advantages.
Das eigennützige Streben des Einzelnen trage durch seine individuellen wirtschaftlichen Entscheidungen unbeabsichtigt zur Gesamtwohlfahrt bei, als würde er von einer “unsichtbaren Hand” gelenkt:
[...] he intends only his own gain, and he is in this, as in many other cases, led by an invisible hand to promote an end which was no part of his intention. Nor is it always the worse for the society that it was not part of it. By pursuing his own interest he frequently promotes that of the society more effectually than when he really intends to promote it.
Bezogen auf die Ornung der Wirtschaft zeigte Smith, dass Märkte gewöhnlich gut für die Organisation des Wirtschaftslebens sind. Denn in einer Marktwirtschaft werden Ressourcen wie Arbeit und Kapital durch Arbeitsteilung und die dezentralen Entscheidungen zahlreicher, miteinander agierender Haushalte und Unternehmungen effizient zugeteilt:
It is a maxim of every prudent master of a family, never to attempt to make at home what it will cost him more to make than to buy. The tailor does not attempt to make his own shoes, but buys them of the shoemaker. The shoemaker does not attempt to make his own clothes but employs a tailor. The farmer attempts to make neither the one nor the other, but employs those different artificers. All of them find it for their interest to employ their whole industry in a way in which they have some advantage over their neighbours, and to purchase with a part of its produce, or what is the same thing, with the price of part of it, whatever else they have occasion for.
Damit eine effiziente Allokation knapper Ressourcen möglich sei, müssten Märkte in einer Volkswirtschaft über Wettbewerb – möglichst frei von Monopolen – gesteuert werden und weitgehend dem Prinzip des “Laissez-Faire” unterliegen. Mit seiner Theorie leitete Smith maßgeblich den Zusammenbruch des Ancien Régime in Europa ein.